Wir möchten Ihnen nachfolgend Foodfunding am Beispiel der Produktion von Fleisch- und Wurstwaren aus Schweinefleisch erläutern. Wir verstehen unter Foodfunding Crowdfunding für die Produktion von Lebensmitteln und damit für Lebensmittel. Dabei finanzieren die Verbraucher die Produktion ihrer Lebensmittel vor. Auf diese Weise erhalten Sie einerseits einen Bezug zu den Lebensmitteln, die sie später konsumieren, und andererseits die Möglichkeit einer fairen und nachhaltigen Beziehung zu den Lebensmittelproduzenten. Für die Erzeuger liegt der Vorteil vor allem darin, dass sie ihre Produktion besser planen können und eine höhere finanzielle Sicherheit haben.

Am Beispiel von Schweinefleisch lassen sich das Prinzip von Foodfunding und die zugehörigen Gestaltungsmöglichkeiten wie folgt erklären. Den groben Ablauf von Foodfunding für Schweinefleisch finden Sie in der nachfolgenden Grafik schematisch dargestellt. 

Die detaillierten Abläufe ergeben sich wie nachfolgend beschrieben.

Möchte ein Bauer einen Teil seiner Produktion von Schweinefleisch und daraus hergestellten Waren mittels Foodfunding finanzieren und vermarkten, so kalkuliert er zunächst seine Kosten für die Produktion. Das bedeutet vereinfacht, dass er die Kosten der Beschaffung der Ferkel sowie die Kosten für die Mast (Unterbringung, Futter, Pflege, Tierarzt, …) kalkuliert und seinen nötigen Gewinn für den Lebensunterhalt bestimmt. Anschließend kann er ein Angebot für die Produktion an die Verbraucher richten. Das Angebot an die Verbraucher richtet er über die Foodfunding-Plattform von Erzeugerwelt.de.

Beim Anbieten des Schweinefleischs und der Schweinefleischprodukte kann der Bauer prinzipiell auf drei unterschiedliche Varianten zurückgreifen. Vor dem Angebot muss er sich allerdings festlegen.

Variante 1 sieht vor, dass der Bauer eine vorkalkulierte, verbindliche Menge Fleisch und Wurstwaren anbietet. Die Verbraucher, die die Produktion dann finanzieren, haben Anspruch auf genau diese Menge Ware. Der Bauer legt dafür offen, auf welche Art und Weise er die Schweine mästen will (z.B. Bioschweine, bestimmte Rassen, bestimmte Haltung, etc.).

Bei Variante 2 stellt der Bauer eine bestimmte Anzahl Schweine in Aussicht. Die Verbraucher haben dann Anspruch auf die Fleisch- und Wurstwaren, die aus den angebotenen Schweinen hergestellt werden. Auch in diesem Fall erklärt der Bauer, auf welche Art und Weise er die Schweine mästet.

Im Fall von Variante 3 wird keine bestimmte Menge Fleisch oder Wurst oder eine gewisse Anzahl Schweine angeboten, sondern Gutscheine. Die Gutscheine lauten entweder über bestimmte Fleisch- und Wurstwaren oder aber über Ware im Gegenwert des jeweiligen Gutscheins.

Unabhängig von der Variante des Angebots können Verbraucher jetzt Teile der Produktionskosten oder, sofern sie das möchten, auch die gesamten Produktionskosten über die Foodfunding-Plattform finanzieren. Als Gegenleistung erhalten Sie dafür die produzierten Fleisch- und Wurstwaren oder aber die Gutscheine. Sie erhalten bei Variante 1 und Variante 2 genau den Anteil an der Gesamtproduktion, der ihrem Anteil an den übernommenen Gesamtproduktionskosten entspricht. Wenn jemand beispielsweise 10 % der Produktionskosten finanziert, erhält er 10 % der gemäß dem Angebot produzierten Fleisch- und Wurstwaren. Die Verbraucher bezahlen also gemeinsam ihre persönliche Produktion von Schweinefleisch und ggf. Wurst daraus. Bei Variante 3 erhalten die Verbraucher genau die Produkte, die auf den Gutscheinen stehen oder beliebige Produkte im Gegenwert der Gutscheine.

Hat nun eine ausreichende Anzahl Verbraucher gemeinsam die vom Bauern kalkulierten oder veranschlagten Produktionskosten zusammengetragen, erhält der Bauer dieses Geld und beginnt mit der Produktion.

Dabei muss man natürlich berücksichtigen, dass die Schweine eine gewisse Zeit benötigen, um das nötige Schlachtgewicht zu erreichen. Auch die Weiterverarbeitung zu Wurst oder Schinken ist mit Zeitaufwand verbunden, den die Verbraucher berücksichtigen müssen!

Nach Mast, Schlachtung und ggf. Weiterverarbeitung erhalten die Verbraucher ihre Waren gemäß dem Anteil, den sie vorfinanziert haben. Wer also nur einen kleinen Anteil der Produktionskosten finanziert hat, erhält auch nur einen kleinen Anteil vom produzierten Fleisch. Derjenige, der einen größeren Anteil finanziert hat, erhält entsprechend auch einen größeren Anteil der produzierten Fleisch- und Wurstwaren.

Foodfunding hat sowohl für die Verbraucher als auch für die Erzeuger, hier die Viehbauern, große Vorteile.

Der Viehbauer kann bereits frühzeitig sowohl den Absatz an Schweinen sichern als auch für die nötige Liquidität des eigenen Betriebs sorgen. Die Vertriebskosten reduzieren sich dadurch deutlich und die Abhängigkeit von Händlerstrukturen entfällt.

Verbraucher erhalten individuell für sie produzierte Fleisch- und Wurstwaren. Sie wissen, wo ihr Lebensmittel produziert wird, wer es produziert und auf welche Weise es produziert wird. Noch mehr Transparenz ist nur möglich, wenn man seine Schweine selbst hält und schlachtet. Außerdem ist die Wertschätzung eines individuell für einen selbst produzierten Lebensmittels größer als bei anonymer Regalware aus dem Supermarkt oder Discounter. Dieser Sachverhält könnte zu einer geringeren Menge überflüssig produzierter Lebensmittel führen, die letztlich in der Mülltonne landen.

Allerdings gibt es natürlich auch Nachteile, die beiden Seiten entstehen können. Diese hängen von der Variante des Angebots ab.

Im Fall von Variante 1 liegt das Risiko für beide Seiten im kalkulierten Ertrag. Kalkuliert der Bauer zu knapp, so hat er einen Nachteil, weil er für die Differenz an Fleisch- und Wurstwaren, die nicht mit der kalkulierten Anzahl Schweine hergestellt werden können, aufkommen muss. Kalkuliert der Bauer zu großzügig und wirtschaftet gut, dann liegt die produzierte Menge über dem kalkulierten Ertrag. In diesem Fall zahlen Verbraucher mehr als nötig. Letztlich sind diese Nachteile nüchtern und sachlich betrachtet zwar vorhanden, spiegeln aber nur die Risiken des regulären Handels wieder. Je nach Höhe der aktuellen Fleischpreise zahlen Verbraucher auch mal mehr und mal weniger für ihr Fleisch und auch Erzeuger erwirtschaften mal mehr und mal weniger. Mit diesen Preisschwankungen müssen sowohl Erzeuger von Lebensmitteln als auch Verbraucher schlicht und einfach leben!

Bei Variante 2 des Angebots können auch sowohl Verbraucher als auch Erzeuger Glück oder Pech haben. Denn auch hier können sich die Ertragsschwankungen sowohl positiv als auch negativ auswirken. Da der Bauer eine verbindliche Menge Schweine anbietet, muss er diese auch liefern. Kann er das nicht, muss er entsprechend der Lieferdifferenz Geld an die Verbraucher zurückzahlen. Produziert er mehr als kalkuliert, kann er die mehr produzierten Schweine auf eigene Rechnung zusätzlich verkaufen.

Variante 3 muss in zwei unterschiedliche Gestaltungsarten geteilt werden. Sind auf den Gutscheinen konkrete Fleisch- und Wurstwaren ausgewiesen, so verhält es sich, wie im Fall von Variante 1. Lautet der Gutschein hingegen über einen bestimmten Wert, so liegt das Risiko ausschließlich beim Verbraucher, da er lediglich Waren im Gegenwert des Gutscheins erhält. Steigen die Preise, so sinkt die Kaufkraft des Gutscheins. Prinzipiell besteht aber auch die Möglichkeit bestimmte Preiskategorien zu deckeln und so das Risiko für den Verbraucher zu reduzieren.

Unabhängig von der gewählten Variante und losgelöst von den Risiken und Nebenwirkungen bietet Foodfunding aber noch weitere Gestaltungsspielräume. So kann der Viehbauer die Verbraucher in die Bewirtschaftung der Schweine mit einbeziehen. Warum nicht den Kindern zeigen, was sie wirklich aufs Brot essen, wenn sie Schinken oder Wurst haben wollen? Hört sich makaber an, ist aber eigentlich das Natürlichste der Welt!

Ebenfalls frei und individuell gestaltbar ist die Lieferung und Lagerung der produzierten Waren.

Wenn Sie sich als Viehbauer angesprochen fühlen und Ihnen unsere Idee gefällt, dann nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf. 

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